Mittwoch, den 18. August 2010 um 08:46 Uhr | Geschrieben von: Carsten Friede | PDF | | Drucken |
Die Suchtberatungs- und Behandlungsstellen „Stay alive“ und „ABC“ planen zum 01. Januar 2011 einen Umzug von der Davidstraße bzw. der Großen Bergstraße hinüber nach Altona- Altstadt, Virchowstr. 15, in das Gebäude der ehemaligen norddeutschen Gewürzmühle. Der Umzug der vom Hamburger Verein Jugendhilfe e.V. ( www.jugendhilfe.de ) getragenen Einrichtung wurde erforderlich, da die bisherigen Räume nicht mehr ausreichend Platz bieten.
Etwa 75 Akut- Drogenabhängige (stay alive) und 25 Therapie- Patienten (ABC) , zum Großteil aus Altona, nehmen die Einrichtung täglich in Anspruch. Unter ärztlicher Aufsicht können sie hier ihre Drogen konsumieren. Sie erhalten darüberhinaus Ausstiegshilfen, werden medizinisch versorgt und auch psychologisch beraten, um langfristig an ein lebenswertes Leben ohne illegale Suchtmittel geführt zu werden.
Während der öffentlichen Anhörung zu den Umzugsplänen am 01.06.2010 betonten u.a. der Chefarzt für Suchterkrankungen der Klinik am Ochsenzoll sowie Vertreter von Polizei, Fachbehörde und Jugendhilfe die positiven Auswirkungen der langjährigen Arbeit von stay alive. Sie waren sich einig, dass die ehemalige Gewürzmühle als neuer Standort gut geeignet ist und dass - wie am alten Standort auch - dort keine Probleme für Nachbarn und Umgebung - einschließlich Schule und Kinder- zu erwarten sind.
Unter Anwohnern und Gewerbetreibenden im Umfeld der Virchowstraße formiert sich dennoch Widerstand gegen den Umzug des Projekts. Die Befürchtungen reichen von der Entstehung einer offenen Drogenszene über Beschaffungskriminalität bis hin zu Nachteilen für die ortsansässigen Gewerbe und einem Wertverlust ihrer Immobilien. Für die CDU- Fraktion ist die Haltung der Anwohner nachvollziehbar. Deshalb wurden ihre Befürchtungen bei der Entscheidungsfindung berücksichtigt.
Unabhängig davon ist es für eine Partei christlicher Werte eine selbstverständliche Pflicht, suchtkranken Menschen Hilfe zu bieten. Die Fraktion erachtet es daher als unabdingbare Notwendigkeit „Stay alive“ eine Chance zu geben, ihre unerlässliche Arbeit in geeigneten Räumlichkeiten fortzusetzen. Deshalb hat die CDU - gemeinsam mit allen Fraktionen - die Empfehlung des zuständigen Sozialausschusses entwickelt und beschlossen, den beabsichtigten Umzug zu ermöglichen. Diese Empfehlung enthält Auflagen, um die Bedenken der Anwohner zu berücksichtigen: So wird beispielsweise in Zusammenarbeit mit der Polizei ein vorbeugendes Konzept gegen Drogenhandel erarbeitet und parallel ein regelmäßiger Runder Tisch für alle Beteiligten initiiert an welchem offene Fragen und Probleme transparent besprochen und geklärt werden können. Weiterhin ist die Einrichtung auf 100 Patienten zu begrenzen und hat ihren Eingangsbereich bzw. das Hofgelände einzufrieden.
Diese Empfehlung wurde am 08. Juli mit den Stimmen von CDU, GAL, SPD und DIE LINKE beschlossen.
Am 19. Juli hat nun die Initiative „Unser Altona“, die sich gegen den Umzug der Beratungsstellen ausspricht, entsprechende Unterschriftenlisten abgegeben. Die erforderliche Zahl gültiger Unterschriften zum Start eines Bürgerbegehrens wurde dabei erreicht, wodurch nun der sog. Suspensiveffekt eintritt und der bezirklichen Verwaltung für drei Monate die Hände gebunden sind, weiter an der Realisierung des Umzug zu arbeiten. Die Initiative hat nun weiter Unterschriften zu sammeln, um das Bürgerbegehren einzusetzen, welches am 21. Juli angemeldet wurde und knapp 5.700 gültige Unterschriften erfordert. Sofern diese erreicht würden müsste ein Bürgerentscheid die abschließende Entscheidung über die Ansiedlung bringen.
Zur Veranschaulichung der Situation vor Ort ein Bild der aktuellen Lage und des geplanten Endzustandes: